Friedrich von Thun Fototermin am 1.3.2012 im Ketterer Kunsthaus Foto: Dorothee Falke

Friedrich von Thun
Fototermin am 1.3.2012
im Ketterer Kunsthaus
Foto: Dorothee Falke

Nach dem Roman von Thomas Mann 1875–1955

Am Klavier: Richard van Schoor

„Der Gnade, deren Deutschland so dringend bedarf, bedürfen wir alle“ – dieser Schlußsatz aus der Rede Thomas Manns im Jahre 1945, anläßlich seines 70. Geburtstags im amerikanischen Exil an das deutsche Volk gerichtet, spannt den Bogen zum Thema des Abends: Weihnachten, das Fest der Geburt Christi.

In den Kapiteln 7 und 8 des 8. Teils seiner „Buddenbrooks“ schildert Mann dieses „Gnadenfest“ der Christenheit im Hause des in Dekadenz, Lebensunfähigkeit und Bedeutungslosigkeit fallenden hanseatischen Geschlechts. Bis heute ist sich die Literaturkritik einig: Dieses Werk hat als Milieuschilderung und Darstellung einer konkret erscheinenden Wirklichkeit kaum ein vergleichbares Pendant in der deutschen Literatur.

„Die Buddenbrooks – Verfall einer Familie“ erschien 1901 und brachte dem damals erst 26-jährigen Autor dafür im Jahre 1929 den Literatur-Nobelpreis ein.

Die Geschichte beginnt am geschäftlichen und gesellschaftlichen Höhepunkt einer Lübecker Kaufmannsfamilie und endet mit deren Untergang.

Sicher schockiert gerade in unserer Zeit viele der unglaubliche Umfang des Werkes. Man kann deshalb nicht unbedingt voraussetzen, dass allgemein bekannt ist, in welchem Zusammenhang die ausgewählten Kapitel zum Weihnachtsfest im Roman stehen. Die Geschichte der Familie Buddenbrook erstreckt sich in Manns Roman über einen Zeitraum von 42 Jahren, beginnend im Jahre 1835. Im 8.Teil seines Werks schildert Mann das letzte Weihnachtsfest, das 1870 im Buddenbrookhaus in der Lübecker Mengstraße gefeiert wird – zu einem Zeitpunkt also, da der Verfall und Niedergang des hanseatischen Kaufmanns-geschlechts bereits weit fortgeschritten ist.

Noch heute gehört das Anwesen in der Mengstraße 4 zu Lübeck mit seiner schneeweißen Barockfassade zu den markantesten Gebäuden Lübecks und Haupt-Touristenattraktionen, wenn auch die Lübecker selbst zunächst von dem Roman wenig begeistert waren. Mancher gut betuchte Bürgersohn fühlte sich durch den Kakao gezogen; in der Stadt kursierten Listen, wer denn wohl die realen Vorbilder für die charakterisierten Romanfiguren seien. Thomas Mann, der sich längst nach München abgesetzt hatte, galt damals in der Hansestadt als Nestbeschmutzer. Heute sehen die Lübecker das entspannter. Immerhin gehört die Lübecker Altstadt seit 1987 zum Weltkulturerbe. Neben Holstentor und Marzipan sind die „Buddenbrooks“ zu einem Aushängeschild geworden.

Obwohl Mann nie selbst darin gewohnt hat, schreibt er 1942, im Exil, über das Buddenbrookhaus : „Das alte Bürgerhaus war mir das Symbol der Überlieferung, aus der ich stamme.“ Heute beherbergt das Anwesen in der Mengstraße 4 das Heinrich- und Thomas-Mann-Zentrum. Deshalb war das Buddenbrookhaus auch Bestandteil der EXPO 2000 in Hannover. Es realisierte das einzige weltweite Literatur-Projekt der Schau.

„Weihnachten bei den Buddenbrooks“ zeigt zwar nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Gesamtwerk, aber das literarische Feingefühl, der Intellekt und der philosophische Scharfsinn des Autors kommen in diesen beiden Kapiteln ebenso zum Vorschein wie die Bilder des Lübecker Anwesens in der Mengstraße 4.

 

WEIHNACHTEN BEI DEN BUDDENBROOKS