A-M-Kaufmann-Portrait-schwarzes-Kleid-211x300Ariel Ramirez’ „Misa Criolla“ gehört zu den bekanntesten Zeugnissen spanischer und lateinamerikanischer Musikkultur. Der Messe liegt ein kastilischer Text zugrunde, der die Elemente der römisch-katholischen Liturgie aufgreift und 1963 von der liturgischen Kommission Lateinamerikas genehmigte wurde. Auf der Basis traditioneller Rhythmen und Melodien Lateinamerikas entstanden, besticht sie ebenso wie andere Arbeiten des Komponisten durch ihre Schönheit und Vielschichtigkeit zugleich – und führt damit ohne den Verlust ihrer Authentizität weit über die Grenzen regionaler Folklore hinaus.

Die Originalinstrumentierung schreibt über den Chor, ein oder zwei Solostimmen und ein Tasteninstrument ein Ensemble vor, das den authentischen Klangcharakter südamerikanischer Folklore garantiert: eine Charango, d.i. eine Gitarre mit fünf Doppelsaiten, eine Bauernflöte, Quena genannt, und eine Siku, d.i. eine bolivische Panflöte sowie verschiedene regionale Schlaginstrumente.

Das Kyrie greift einen Rhythmus aus den Anden auf und steht mit seiner Klangwelt für die Weite und Einsamkeit der Hochgebirgslandschaft. Rhythmik und Harmonik des Gloria basieren auf Volkstänzen aus den Hochebenen im Nordwesten Argentiniens, Boliviens und Perus. Der treibend-leidenschaftliche Rhythmus des Credo stammt aus dem im Norden des Landes gelegenen Santiago del Estero. Die Cochabamba aus Bolivien bestimmt das Sanctus, bevor die lyrisch-pastoralen Klänge der südamerikanischen Ebenen den Friedenswunsch des Agnus Dei begleiten.

„Navidad nuestra“ entstand wie die „Misa Criolla“ im Jahr 1964. Ariel Ramirez arbeitete bei den kantatenähnlichen Liedern, die verschiedene Episoden der Weihnachtsgeschichte wiedergeben, mit dem Dichter Félix Luna zusammen. Wieder bestimmen unterschiedliche Rhythmen und Tänze den Charakter der sechs Lieder: Von Anmut und Zartheit gekennzeichnet ist „La anunciación“, die Verkündigung, während beispielsweise „Los pastores“, die Ankunft der Hirten, musikalisch ein fröhlich-ausgelassenes Treiben schildert. Der letzte Teil, „La huida“, erzählt in einer wehmütigen Elegie von der Flucht nach Ägypten.

MISA CRIOLLA