von William Shakespeare

Irren und Wirren in flirrender Sommernacht: Feen-König Oberon und seine Gattin Titania haben sich entzweit, leben getrennt, doch in ein und demselben Wald. Just hierher verirren sich zwei Liebespaare: Helena, die den Demetrius, Demetrius, der die Hermia, Hermia, die den Lysander und Lysander, der die Hermia liebt… Viel Stoff für Verwicklungen also. Oberon erbarmt sich der Liebenden – ein Zaubertrank soll alles ins Lot bringen.Thun von Friedrich mit Jacke

Allerdings geht dabei einiges schief, denn der Trank bewirkt, dass man sich in das erste Wesen verliebt, das man erblickt! Und schließlich ist da noch die Handwerkertruppe, die zur Hochzeit des Theseus eine Tragikomödie probt, und der einfältige Zettel mit dem Eselskopf, der von Titania für einen Liebesgott gehalten wird. Aber am Ende löst Oberons Lilien-Stab alles auf… – Zaubereien einer Sommernacht. Nacht, Wald, märchenhafte Stoffe, historische Plätze – die bevorzugten Sujets der Romantik sind in kaum einem anderen Werk der Weltliteratur so gehäuft vorweggenommen wie in Shakespeares »Sommernachtstraum«.

Kein Wunder, dass des Engländers Lustspiel von 1595 eine gewaltige Wirkung auf die Romantiker hatte.

Gepackt von der Shakespeare-Begeisterung schrieb der erst 17-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1826 eine Ouvertüre zur Komödie „Ein Sommernachtstraum“. Robert Schumann war entzückt: „Die Blüte der Jugend liegt über sie ausgegossen. Der fertige Meister tat in glücklichster Minute seinen ersten, höchsten Flug.“

Genau 17 Jahre später hat Mendelssohn, im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV für die Aufführung des „Sommernachtstraum“ im Theater des Neuen Palais zu Potsdam, die komplette Bühnenmusik mit wiederum 17 musikalischen Nummern fertig gestellt.

Der Hochzeitsmarsch daraus ist heute aus keiner Kirche wegzudenken. „Keiner konnte wie Mendelssohn den Regenbogenduft, den Perlmutterschimmer dieser kleinen Kobolde schildern, die glänzende Emphase eines hochzeitlichen Hoffestes wiedergeben“, schrieb Franz Liszt. Die Schauspielmusik sollte ursprünglich Aufführungen des „Sommernachtstraums“ klanglich begleiten, mit dem gesamten Shakespeare-Text in der Schlegel-Übersetzung. Doch schon damals entstand bald der Wunsch nach einer nicht-szenischen Aufführung, mit Sprechern und einem Erzähler, der über den Handlungsverlauf von außen und in gekürzter Form berichtet. Entsprechende Erzählertexte stammen erstmals von dem Literaturgelehrten Oskar Ludwig Bernhard Wolff und erschienen 1851. Im Rahmen einer solchen „konzertanten“ Aufführung mit Erzähler wird die Position der Musikeinlagen innerhalb des „Sommernachtstraums“ erhalten, es kommt ihnen jedoch ein höherer Stellenwert zu. Von da an war es nur noch ein kurzer Weg, Mendelssohns Musik aus ihrem theatralischen Kontext völlig zu lösen und als eigenständige Konzertstücke zu Gehör zu bringen. Um seine kompositorische Leistung allerdings angemessen beurteilen zu können, sollte seine Musik in all ihrer stilistischen Vielfalt aber immer im Zusammenhang mit dem Text betrachtet werden.

EIN SOMMERNACHTSTRAUM

3 Kommentare

  • KulturBlog-NRW.de
    KulturBlog-NRW.de

    Enoch Arden, ehemaliger Fischer eines englischen Hafenstädtchens, sieht sich nach Schicksalsschlägen gezwungen, auf einem Handelsschiff anzuheuern, das ihn nach China bringen soll. Doch verliert sich seine Spur, und seine junge Frau Annie, die nach sieben Jahren nicht mehr glaubt, ihn lebend wieder zu sehen, entschließt sich, den gemeinsamen Freund aus Kindertagen, Philipp, zu heiraten. Erst nach zehn Jahren kehrt Enoch in die Heimat zurück, traut sich aber nicht, das Glück des Paars zu stören. Er gibt seine Identität nicht zu erkennen, lebt unter Fischern und verbirgt sich in einem Gasthaus. Erst auf dem Sterbebett vertraut er der Wirtin sein Geheimnis an und bittet, dieses nach seinem Tod Annie und Philipp zu offenbaren. Eine ergreifendere Abwandlung des alten Motivs vom verschollenen Ehemann, der seine Frau wiederverheiratet vorfindet und be- schließt, sein Recht zu fordern. Nun stand die berühmte Verserzählung (1864) des englischen Dichters Alfred Lord Tennyson im Mittelpunkt eines Richard-Strauss-Abends, veranstaltet vom Klavier-Festival Ruhr. Denn Strauss, fasziniert von Tennysons Werk (in der Übersetzung Adolf Strodtmanns), hat im Jahr 1897 die Musik dazu geschaffen; aus seiner Sicht sollte der Text Priorität haben, die Komposition war eher als Kommentierung gedacht. Und das Publikum im Düsseldorfer Robert-Schumann-Saal (Museum Kunstpalast) genoss dieses feinfarbige wie auch expressive Seemannsepos vermutlich ebenso intensiv wie die Leserschaft der Viktorianischen Zeit. Und eines wurde sehr deutlich: In diesem Melodram geht es nicht um Konfliktbewältigung; das Geschehen wird vielmehr von Liebe und stiller Selbstlosigkeit getragen. Hier setzte der große Charakterschauspieler Friedrich von Thun fein gestufte Akzente, hob den Kontrast zwischen der üppigen tropischen Land- schaft und der nordischen Heimat des Helden plas- tisch hervor und führte Tennysons zeitweiliges Pa- thos auf ein schönes berührendes Maß zurück. Gerhard Oppitz, Klavier, wusste seinen Part im Sin- ne des Komponisten ebenso dezent wie klangin- tensiv zu gestalten. Fünf Richard-Strauss-Lieder, darunter das berühmte “Ständchen op. 17,2′′, von dem gefeierten Pianisten Walter Gieseking (1895- 1956) kongenial, wenn auch stellenweise etwas überbordet für Klavier transkribiert (sie waren als Zugaben gedacht), sowie die “Klaviersonate op. 5′′ des erst sechzehnjährigen Komponisten waren dem Melodram vorangestellt; Werke, deren Interpretation durch zarteste Nuancierungen und eine strahlende Virtuosität bestach.

    (Brunhild Schmelting)

  • IOCO – Kultur im Netz
    IOCO – Kultur im Netz

    Es war ein Abend mit Repertoire-Raritäten, alle aus der Feder von Richard Strauss (1864 – 1949), dem man 2014 zum 150. Geburtstag huldigt. Es wäre schön gewesen, wenn ein größeres Publikumsinteresse für dieses Konzert vorhanden gewesen wäre. Es waren viele Plätze frei und das bei der ohnehin nicht sehr großen Platzkapazität des Robert Schumann-Saales im Kunstpalast. Schade!

    Das Liedschaffen von Richard Strauss ist sehr umfangreich. Viele Preziosen sind darunter. Fünf seiner schönsten Lieder (Heimkehr – Ständchen – Freundliche Vision – Ständchen – Winterweihe) arrangierte der große Pianist und Komponist Walter Gieseking für Klavier Solo. Er spielte sie bei seinen Konzertabenden als Zugaben. Diese Transkriptionen wurden erst nach Giesekings Tod entdeckt.
    An diesem Abend im Düsseldorfer Robert Schumann-Saal spielte sie Gerhard Oppitz kompetent und in einer großen Ausgewogenheit. Die Melodie der Singstimme in den Liedern war immer erkennbar und wurde nicht durch umrankende “dazukomponierte“ Musik zugedeckt. Die Stücke klangen sehr gut und Oppitz spielte sie mit sichtbarer Freude.

    Ein erstaunlich großartiges Stück ist die H-Moll Sonate des jungen Richard Strauss. Der damals erst 16-jährige komponierte sie 1880. Es ist legitim, von einem meisterlichen Werk zu sprechen. Dieses rasante Opus lässt den späteren Strauss schon ahnen, seine Meisterschaft des Instrumentierens und die Opulenz der unerschöpflichen musikalischen Einfälle.

    Gerhard Oppitz spielte das Werk mit markantem Zugriff, präzise in den Läufen und der musikalischen Gestaltung. Oppitz gelang es auch sehr gut, den dramatischen Impuls, der sich durch das ganze Stück zieht, herauszuheben.
    Nach der Pause erfreute die Begegnung mit einer weiteren Rarität aus dem Schaffen von Richard Strauss. Das Melodrama Enoch Arden, op.38 entstand 1897. Es ist sozusagen ein Dankeschön an Erich von Possart, den neuen Intendanten des Münchner Hoftheaters. Er hatte Strauss wieder an das Haus gebunden, das dieser nach Querelen mit der vorherigen Direktion verlassen hatte.

    Das Melodram für Klavier und einen Rezitator ist auf eine Ballade des Engländers Lord Alfred Tennyson komponiert. Ort der Handlung ist ein englisches Hafenstädtchen.

    Der Fischer Enoch Arden geht mit seinem Boot auf Fahrt. Seine Frau Annie und die Kinder bleiben zurück. Enoch hofft durch Erlöse dieser Handelsfahrt die Familie besser ernähren zu können. Doch es kommt anders. Enoch erleidet Schiffbruch und rettet sich auf eine verlassene Insel. Nach langen Jahren wird er zu Hause für tot erklärt. Noch zögerlich heiratet Annie den besten Freund Enochs, der sie immer schon verehrte. Aber die Zeit des Glücks ist nur kurz für Annie und ihre Familie. Enoch wird gerettet und kommt nach langen Jahren zurück in die Heimat. Er sieht das neue Glück seiner Frau von weitem, verzichtet auf sie, die er immer noch liebt und stirbt an gebrochenem Herzen.
    Diese melodramatische Ballade schreit geradezu nach musikalischer Untermalung. Strauss erkannte die Möglichkeiten der Dichtung und ging zu Werke. Doch er hält sich in der Untermalung sehr zurück und gibt der Sprache den Vortritt. Die Uraufführung war 1897 mit Strauss am Klavier und Possart als Rezitator.

    Auch Gerhard Oppitz hielt sich an diesem Abend in Düsseldorf sehr zurück. Der Rezitator Friedrich von Thun sprach die Texte sehr präzise, aber seine leicht verhangene, weiche Stimme war nicht immer gut zu verstehen. Eine Spur Überschwang hätte seiner sonst tadellosen Deklamation zuträglich gewesen.
    Freundlich war der Beifall, insbesondere für Thun, der durch seine mediale Präsenz einem breiten Publikum bekannt ist.

    (19. Mai 2014, Udo-Gustav Kleff)

  • Vergessenes von Richard Strauss
    Vergessenes von Richard Strauss

    Der Pianist Gerhard Oppitz spielte im Schumann-Saal Werke des Komponisten.

    Mit seinem eigenen „Ständchen“ – und nicht nur damit – würdigte das Klavier-Festival Ruhr den Jubilar Richard Strauss, der in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden wäre. Im Robert-Schumann-Saal war das gesamte Programm subtilen Werken des Komponisten gewidmet, der vor allem als Schöpfer opulenter Opern und sinfonischer Dichtungen in Erinnerung geblieben ist. Auch seine Lieder erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit. Walter Gieseking gefielen sie seinerzeit so gut, dass er fünf von ihnen für Klavier bearbeitete.

    Gerhard Oppitz stellte sie an den Anfang seines Düsseldorfer Programms. In den ersten vier Liedern betonte der Pianist den ruhigen, ausgeglichenen Charakter der Lieder. Innere Unruhe kam erst mit dem letzten Lied („Schlechtes Wetter“) ins Spiel. Gesteigert wurde das dramatische Element dann in der h-moll-Sonate (op. 5), einem Jugendwerk des damals 16-jährigen Komponisten. Oppitz bot eine flüssige, schlackenlose Wiedergabe.

    Vom Klavierabend traditioneller Art wich der zweite Teil des Abends deutlich ab, indem jetzt nicht mehr Klavier pur angesagt war, sondern zusätzlich eine Sprechstimme ins Spiel kam. Oppitz und Friedrich von Thun, prominenter und mit allen Bühnenwassern gewaschener Schauspieler, holten mit „Enoch Arden“ (op. 38) ein vergessenes Melodram von Richard Strauss auf die Bühne.

    Wie nicht anders zu erwarten, bewährten sich beide Künstler als kompetente Interpreten. Es gelang ein hervorragender Vortrag der Geschichte des Alfred Lord Tennyson von Liebe, Schicksal und Verzicht. Allerdings hat der Zahn der Zeit an diesem Werk genagt. Die deutsche Übersetzung von Adolf Strodtmann klingt für heutige Ohren schon etwas altbacken. Die Musik wirkt nur bedingt auf den Text bezogen, wenn sie auch zur Auflockerung beiträgt. Trotzdem war die Aufführung verdienstvoll. Sie vermittelte einen tiefen Blick in den Teil des Musiklebens vor dem Ersten Weltkrieg, der im heutigen Konzertbetrieb kaum noch vorkommt

    (Rheinische Post Düsseldorf, 16. Mai 2014, Dr. Gert Holtmeyer)